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Dieser Blog beschäftigt sich mit Beobachtungen und Gedanken zu menschlichem Verhalten - sei es, wie wir mit eigenen oder anderen Fehlern umgehen, wie wir uns in Gesellschaft verhalten oder was für eine Partnerschaft wichtig sein kann. Gern gebe ich Tipps, wie man sich und anderen das Leben leichter machen kann.

Gute Partnerschaft – ganz einfach!

Ein provokanter Titel, ich weiß! Und aus meinen Single- und Paarseminaren, meinen Therapiesitzungen und Paarberatungen weiß ich natürlich, wie viele um gelingende Partnerschaften ringen, sich jahrelang abmühen, kämpfen, sich zerreiben. Ich möchte hier auch weniger auf ernste psychologische Hintergründe für immer wieder misslingende Partnerschaften, Verletzungen aus der Kindheit, jahrzehntelange Muster eingehen, als auf sozusagen simple, praktische Sachen, die zum Gelingen von Partnerschaften beitragen können. Hier spricht jetzt nicht die Therapeutin aus mir, die individuell mit einzelnen Menschen arbeitet, hier möchte ich Gedanken zur Partnerschaft anbieten, wie sie aus meinen langjährigen Erfahrungen erwachsen sind.

Eine Vorbemerkung möchte ich mir aber noch erlauben: Natürlich gibt es psychologische Grundbedingungen und menschliches Verhalten, das es einfach erschwert, Partner kennenzulernen, für sich zu begeistern und dann noch dauerhaft und zufriedenstellend an sich zu binden. Jemand, der zu seinen Eltern wenig Vertrauen entwickeln konnte oder viele Jahre lang unentwegt streitende Eltern miterlebt hat, ist nicht gerade prädestiniert dafür, eine gute Partnerschaft zu haben. Aber, glauben Sie mir – es gibt Menschen mit exakt denselben unguten Erlebnissen und der eine hat eine zufriedenstellende Partnerschaft, der andere nicht. Und kennen Sie nicht auch Ekelpakete, bei denen Sie sich wundern, was für nette Partner die haben und dass die Beziehung offensichtlich funktioniert?

Wie so oft bei Menschen gilt auch hier, dass vieles schwer erklärlich ist und es, noch schöner, einfach Wunder gibt. Es gibt einfach die Liebe, auch unter schlechten Vorbedingungen!

Nun aber zu meinen eher praktischen Ausführungen, was die Liebe fördert und erhält.

Als Erstes, sozusagen als Vorbedingung: Suchen Sie sich Ihren Partner sorgfältig aus, hören Sie nicht nur auf Ihr Herz und Ihre Hormone, sondern auch auf Ihren Verstand, gern auch Ihren „Herzens-Verstand“. Sie tragen Verantwortung für sich selber und Ihr Lebensglück (auch wenn es letztlich ein  Lebensabschnittsglück wird) und Sie sollten sich nur jemanden als Partner suchen, der Ihnen guttut. Der provokante Titel zu einem guten Buch:“ Liebe dich selbst und du kannst heiraten, wen du willst“ sollte nicht ganz ernstgenommen werden. Natürlich haben gelingende Partnerschaften auch viel mit Selbstliebe zu tun und die Erkenntnis, dass es viel erfolgversprechender ist, an sich selber zu arbeiten statt seinen Partner ändern zu wollen, hat sich sicher schon herumgesprochen.

Die im Folgenden vorgestellten Ideen zur gelingenden Partnerschaft sind sicher nicht neu, vielleicht ist diese Zusammenstellung aber doch für den einen oder anderen hilfreich:

● Ganz banal, bitte lachen Sie nicht: Zeigen Sie, auch wenn Sie mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin (in Zukunft rede ich der Einfachheit halber nur noch vom Partner) allein sind, ein Mindestmaß an Gepflegtheit (jeder hat da sicher andere Maßstäbe). Manchmal mag auch Animalisches und verschwitzte Haut reizen, grundsätzlich erregt Sauberkeit (einschließlich sauberer Fingernägel und Intimbereich, was anscheinend besonders Männer nicht ganz selbstverständlich finden), guter Geruch, ansprechende Kleidung eher wohlwollende Gefühle.

● Zeigen Sie Ihrem Partner Achtung, erstmal ganz einfach, weil er ein menschliches Wesen ist, zweitens weil er ein von Ihnen geliebtes Wesen ist. Hier ein paar Beispiel, worin sich Achtung zeigt: Hören Sie zu, lassen Sie ihn ausreden, bedienen Sie sich am Tisch nicht zuerst und mit den besten Stücken, bleiben Sie nicht gemütlich sitzen, wenn Dinge im Haushalt erledigt werden müssen, erweisen Sie sich gegenseitig Gefallen und spüren Sie immer wieder rein, was Ihr Partner braucht. Das heißt nicht, dass Sie immer Ihre Bedürfnisse zurückstellen müssten oder gar sollten, sondern nur dass Sie registrieren, was die Bedürfnisse Ihres Partners sind. Und grundsätzlich bereit sind, ihre Erfüllung zumindest wohlwollend in Erwägung zu ziehen. Glauben Sie mir, Sie können einfach nicht gewinnen, wenn Sie vor allem Ihre eigenen Wünsche auf Kosten Ihres Partners durchzusetzen versuchen. Vielleicht wird Ihr Partner oft oder immer nachgeben, aber er wird es sich „merken“. Das Vertrauen wird immer weiter gestört, der Partner fühlt sich nicht gesehen und anerkannt, er wird sich immer weiter zurückziehen und resignieren. Wenn Sie eine gute Partnerschaft wollen, wird das nicht funktionieren. Geht es Ihnen vorrangig um Ihre Bedürfnisse und darum, die Macht in der Beziehung zu haben, könnte es klappen. Aber dann brauchen Sie diese Überlegungen hier erst gar nicht zu lesen.

Ich wundere mich  immer wieder zum Beispiel darüber, wie elegant doch auch so einige moderne junge Männer und Väter die Arbeit zum großen Teil ihren Frauen überlassen – auch wenn sie ebenfalls berufstätig sind oder nach einem langen Tag mit den Kindern zuhause dringend mal Entspannung bräuchten. Leute, das kann auf Dauer nicht gutgehn, die wenigsten Frauen werden sich das ohne bittere Gefühle bieten lassen.

● Den Partner nicht auszunutzen, gilt natürlich auch für die sexuelle Beziehung. Keine(r) schätzt es genötigt oder gar gezwungen zu werden. Es wird immer Spuren in der Beziehung hinterlassen. Männer, die mit ihren Partnerinnen Familien gründen, können sich schon mal darauf einstellen, dass bei vielen Frauen in der Baby- oder Kleinkindphase Sex länger nicht wichtig oder sogar schwierig ist. Männern, die es nur schwer länger ohne Sex aushalten, haben hier schlechte Beziehungskarten (Frauen genauso, nur haben sie in der Babyphase hiermit eher nicht Probleme.). Meine Empfehlung: Zeitweilige Enthaltsamkeit schon mal zu üben, bevor man eine wichtige, feste Beziehung hat. Die andere Alternative, untreu zu sein, ist keine Alternative, wenn man eine dauerhafte, gute und auf Vertrauen gegründete Beziehung anstrebt. Untreue ist eines der Hauptdinge, die genannt werden, wenn man nach Gründen für den Beziehungstod sucht. (Natürlich kann Untreue auch ein Hinweis auf eine bereits gestörte Beziehung sein – diesen Aspekt möchte ich hier aber nicht weiter verfolgen.)

● Zeigen Sie sich wie Sie sind, seien Sie authentisch. Es bringt einfach nichts, dem Partner etwas vorzumachen, auf Dauer werden Sie es kaum durchhalten können. Und möchten Sie nicht so geliebt werden wie Sie sind? Dass Sie nicht gerade Ihre schlechtesten Seiten hervorkehren sollten, versteht sich von selbst. Und dass Höflichkeit und achtsames Verhalten für eine Beziehung wichtig sind, erwähne ich an anderer Stelle.

● Verlieren Sie Ihren Partner nicht aus den Augen, ganz wichtig! Bleiben Sie im Gespräch, interessieren Sie sich für seinen Alltag, was er tut und denkt – ohne lückenlos alles wissen zu müssen. Spätestens auf dem Totenbett bedauern viele Menschen, dass sie dem, was ihnen am wichtigsten ist, nämlich meist geliebte Menschen, nicht genügend Zeit und Zuwendung gegeben haben. Wenn Ihr Partner für Sie Priorität hat, dann zeigen Sie das auch im Außen, durch geschenkte Zeit und gemeinsame Unternehmungen. Zeigen Sie immer wieder, wie wichtig Ihnen Ihr Partner ist (wenn er es denn ist).

● Pflegen Sie Zärtlichkeit! Jeder hat unterschiedliche Bedürfnisse, aber körperliche Nähe, Berührungen tun grundsätzlich gut – auch in einer Partnerschaft.

● Genießen Sie die Zweisamkeit und die Geborgenheit, die harmonische Beziehungen schenken – ohne Ihre Bedürfnisse nach Alleinsein zu verleugnen. Seien Sie immer wieder dankbar dafür.

● Geben Sie sich gegenseitig Freiräume und achten Sie den Raum des Partners. Zweisamkeit ist Ihnen wichtig, aber Sie haben auch eigene Bedürfnisse und sicher auch den Wunsch nach Alleinsein. Oder sich mit eigenen Freunden zu treffen, allein ein Hobby zu haben, stundenlang über etwas nachzudenken. Das muss in einer guten Partnerschaft möglich sein. Vermitteln Sie Ihrem Partner, dass Sie dann umso zufriedener in die Gemeinschaft zurückkehren können.

● Seien Sie nachsichtig mit Fehlern oder körperlichen „Verfallserscheinungen“ Ihres (langjährigen) Partners. Sie selber haben auch Fehler und werden ebenfalls älter. Nichts tut so gut wie wenn man angenommen wird, wie man ist.

● Und das gehört auch hierher: Bleiben Sie nicht mit einem Partner zusammen, mit dem Sie dauerhaft nicht glücklich sind. Natürlich lohnt es oft, für eine Partnerschaft zu kämpfen, zu hinterfragen, wieweit eigene Anteile einer gelingenden Partnerschaft im Wege stehen – schließlich weiß man, dass in früheren Partnerschaften oft dieselben Probleme aufgetaucht sind. Und es lohnt sich auch, sich zu überlegen, wieso Ihr Partner sich so verhält, wie er es tut. Wenn Sie das aber lange getan haben und immer noch unglücklich sind und keinen Weg wissen, wie sich das ändern könnte … dann überlegen Sie sich ernsthaft, ob Sie bei getrennten Wegen nicht eher der Verantwortung für Ihr gelingendes Leben gerecht werden.

Nach den Ausführungen zu verschiedenen Aspekten gelingender Partnerschaft noch eine ganz allgemeine Bemerkung: Vieles an „gutem Partnerschafts-Verhalten“ ist auch einfach schlichte Höflichkeit, Zuvorkommenheit, gutes Benehmen – die kann man immer brauchen und sie erhöhen die Chance auf eine gelingende Partnerschaft, ganz gleich wie gut die Partner persönlich zusammenpassen.

Zum Schluss ein Lob auf die Partnerschaft! Sie kann unsere Sehnsucht nach Geborgenheit, Aufgehobensein, Nähe, Zärtlichkeit, Liebe und Geliebtwerden stillen. Und vieles mehr. Kein Wunder, dass für viele Menschen gelingende Partnerschaften so wichtig sind.

Ich wünsche Freude an Ihrer Partnerschaft und viel Glück und Erfolg, wenn Sie noch auf der Suche sind!