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Dieser Blog beschäftigt sich mit Beobachtungen und Gedanken zu menschlichem Verhalten - sei es, wie wir mit eigenen oder anderen Fehlern umgehen, wie wir uns in Gesellschaft verhalten oder was für eine Partnerschaft wichtig sein kann. Gern gebe ich Tipps, wie man sich und anderen das Leben leichter machen kann.

Höflichkeit – das Antworten nicht vergessen

Immer mal wieder erlebe ich es, privat oder beruflich, dass Menschen nicht zurückrufen oder Mails nicht beantworten. Klar, manchmal fehlt einfach die Zeit oder die Mail wird übersehen, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter überhört. Manchmal sind Leute krank oder im Urlaub. Mir selber ist es selbst schon mal passiert: Ich gab in einer weiter entfernten Stadt ein Seminar, hörte hinterher viele Nachrichten ab und vergaß eine zu beantworten. Ich erhielt von dieser Anruferin eine beleidigt-aggressive Mail: Sie wüsse nicht, was sie Schlimmes verbrochen habe, dass ich ihr nicht mal zu antworten geruhe … Wieder einmal ein Fazit. Dinge nicht gleich persönlich zu nehmen, erleichtert vieles.

Das war einfach ein Übersehen, nicht böswillig gemeint, ich erklärte es und entschuldigte mich. Das kann anderen genauso passieren … trotzdem kann das nicht alles erklären.

Sind Menschen so überlastet, dass sie nicht antworten, selbst wenn ich eine Dienstleistung von ihnen will, für die sie ja schließlich werben? Oder ich bestelle etliche Artikel bei einem Büroservice, einer passt nicht und obwohl ich anrufe und eine Mail schreibe, wird nie geantwortet geschweige denn der richtige Artikel geschickt.

Ich rufe eine Freundin an und will sie zum Geburtstag einladen. Da nur der AB bereit ist, mich anzuhören, spreche ich da drauf. Auch 10 Tage später habe ich keinen Rückruf erhalten. Ich weiß, dass sie – und viele andere - nicht so gern Mails schreiben. Ganz im Gegensatz zu mir. Ich finde, das ist ein prima Medium und so viel schneller und praktischer als Briefe schreiben. Ich bin der Typ, der gern ausführliche Mailkorrespondenz mit Freunden führt und sich über dieses und jenes austauschen möchte. Aber zurück zu meiner Freundin: Wenn sie nicht gern Mails schreibt, wie wär´s mit einem kurzen Rückruf? Aber egal, diese Freundin kann sich bei mir so gut wie alles erlauben und irgendwie werden wir schon wieder zusammenkommen.

Auf einem Frauentreffen habe ich eine wirklich sympathische Frau kennengelernt. Wir erhalten uns angeregt und wir besuchen gemeinsam eine weitere Veranstaltung, versichern uns, dass wir im Kontakt bleiben wollen. Sie hält spannende Vorträge und ich versuche sie für einen in unserem Unternehmernetzwerk vorzuschlagen, worüber sie sich freut. Leider wird das abgelehnt. Als ich mich mal wieder telefonisch mit ihr austauschen will, ist leider nur wieder der AB auf zack. Ich spreche ihr drauf, dass ich mich gern mal wieder mit ihr austauschen würde und dass das mit dem Vortrag trotz meiner Bemühungen nicht geklappt hätte. Keine Reaktion, auch nach zwei Monaten nicht. Wenn man keine Zeit hat, kann man doch eine ganz kurze, eventuell nur einzeilige Mail schicken?, „Danke für deine Bemühungen, leider hab ich gerade gar keine Zeit …“

Ich möchte es honorieren, wenn andere sich für mich verwenden, mich empfehlen. Gerade als Selbständige und Unternehmerin – was diese Frau auch ist – sollte das selbstverständlich sein!

Eine andere Selbständige und gute Bekannte hat ähnliche Erfahrungen gemacht. Sie kann es manchmal kaum fassen, wie wenig reagiert wird.

Gern würde ich besser verstehen, warum doch ziemlich viele Menschen nicht antworten. Ist es reine Faulheit? Eine einfach zu geringe Verbindlichkeit, die Menschen empfinden?

Selbstverständlich braucht man auf unerwünschte Anschreiben oder Werbung nicht zu reagieren. Ein nach einem Netzwerktreffen wie selbstverständlich geschicktes und persönlich an mich adressiertes Angebot – wie wahrscheinlich an 50 weitere auch – werfe ich sofort weg.

Aber was soll ich davon halten? Eine Bekannte bittet mich, sie zu einem exklusiven Netzwerktreffen einzuladen. Ich tue das – keine Reaktion. Ich frage per Mail an, ob ich sie nochmal einladen solle – keine Reaktion. Das verwirrt mich – hier würde ein kurzer Satz ausreichen.

Fehlt es manchmal einfach an selbstverständlicher Höflichkeit?  Ganz zu schweigen von Freundlichkeit? Das ist eher mein Eindruck. Noch mehr gilt das, wenn man als Trainerin/Therapeutin Menschen ein Stück Weges begleitet hat und, wie ich finde, ein besonderes Interesse an ihrer Entwicklung, ihrem weiteren Lebensweg hat. Auch da kenne ich welche, die einfach nicht mehr reagieren, wenn sie meinen, nun kein Geld mehr mit ehemaligen Kunden verdienen zu können.

Ganz besonders erstaunlich ist es, wenn man sich von Kunden noch Aufträge und Geld erwartet und selbst dann nicht reagiert. Vor vielen Jahren überlegte ich mir einen beruflichen Neubeginn und ließ mich in Hamburg coachen. Diese Trainerin gab mir auch den Tipp, meine ersten Seminare kostenlos zu geben und mir von den Teilnehmern lediglich ein schriftliches Feedback zu erbitten. Gesagt, getan, und auch sie lud ich dazu ein. Sie war dann die einzige, die mir kein Feedback gab – auch nicht, als ich sie per Mail nochmal darum bat. Gleichzeitig erwartete sie einen Folgeauftrag von mir und war auch spürbar enttäuscht, als der nicht erfolgte … wofür es auch noch andere Gründe gab.

 

Aber zurück zum Hauptthema: Wenn wir nicht penetrant verfolgt oder gar gestalkt werden und auch sonst keiner der triftigen Gründe vorliegen, weshalb wir einfach nicht antworten wollen, möchte ich fürs Antworten, für ein kurzes Zeichen plädieren: aus Höflichkeit, aus Freundlichkeit – damit wir andere nicht im Regen stehen lassen.