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Dieser Blog beschäftigt sich mit Beobachtungen und Gedanken zu menschlichem Verhalten - sei es, wie wir mit eigenen oder anderen Fehlern umgehen, wie wir uns in Gesellschaft verhalten oder was für eine Partnerschaft wichtig sein kann. Gern gebe ich Tipps, wie man sich und anderen das Leben leichter machen kann.

Wandel und Älterwerden – wie hart ist das?

Wer jung ist, für den sind das Älterwerden oder gar Gedanken über den Tod meist weit weg. Schon Vierzigjährige sind dann uralt, zu denen stellt man einfach keinen Bezug her. Trotzdem kann einem die Vergänglichkeit des Lebens manchmal schon in jungen Jahren bewusst werden, schmerzhaft – wenn nahe Verwandte oder gar jüngere Freunde sterben. Dass Altes vergeht und Neues entsteht, gilt aber für jeden vom ersten Atemzug an. Und es macht Sinn, sich dessen bewusst zu werden und es anzunehmen. Aber auch, wenn man die Wahl hat, zu schauen, was man bewahren möchte und von was man sich lieber verabschiedet.

Nicht leicht, ehrlich übers Altern zu sprechen

Übers Älterwerden ehrlich zu sprechen und sich damit auseinanderzusetzen, ist für viele nicht leicht. Ja klar, lange leben wollen die meisten und dazu gehört es eben auch, älter zu werden … immer älter … und schließlich alt. Dass viele alte Menschen verschiedene Wehwehchen haben oder oft auch ernsthafte Beschwerden, dass Gehör, Augenkraft und Gedächtnis abnehmen, dass das Gehen schwerfällt, lässt sich kaum übersehen. Und auch als jüngerer Mensch kann man sich vorstellen, wie bitter es ist, wenn gute Freunde sterben, der eigene Partner, wenn oft die Einsamkeit zunimmt. Auch die Veränderung des Äußeren, immer mehr Falten und Farblosigkeit, die schwindende Attraktivität muss verkraftet werden. Auch wenn es einige alte Menschen gibt, die ich immer noch schön finde! Aber: Schon als ich Mitte vierzig war, wurde mir kolportiert, dass mein erwachsener Neffe mit Staunen Jugendfotos von mir anschaute und zu seiner Mutter sagte: „Ich wusste gar nicht, dass Tante G. mal so hübsch gewesen ist …“ Halb schmeichelt das, aber eben nur halb.

Ich hab mir immer vorgestellt, dass ich gesund älter werde. Dass ich zwar irgendwann immer schwächer werde, Altersschwäche eben, aber nicht krank werde. Und keine häufigen oder gar chronischen Schmerzen habe. Die Realität ist das aber selten im hohen Alter.

Sich positiv aufs altern einstellen

Ich finde es gut, wenn man sich positiv aufs Alter einstellt, ihm optimistisch entgegengeht und sich nicht durch negative Glaubenssätze auf ein schweres Altern einschwört. Die Kraft negativer Gedanken in Bezug aufs Altern hat Margit Burkhart in ihrem Buch: „Gewöhnen Sie sich das Altern ab!“ eindrücklich dargestellt. Nicht so gut finde ich es, wenn man sein Alter leugnet, unbedingt jünger aussehen will, sich etwas vormacht und damit sicher auch Entwicklungsschritte und sein eigenes Reifen behindert. Ich bin fest davon überzeugt, dass das Lernen und Reifen auch im Alter weitergeht – dass es zur Vollendung des eigenen Lebens dazugehört und erst mit dem Tod aufhört. Als Hospizhelferin sind mir Sterben und der Tod nicht unvertraut und ich glaube es ist wichtig, dies auch nicht aus seinem Leben auszuklammern.

alte menschen, die mich beeindruckt haben

Einige alte Menschen haben mich beeindruckt in ihrer Einstellung zum Altern und wie sie altern: Meine Mutter war sehr tapfer und hat trotz häufiger Schmerzen wenig geklagt. Meine Schwiegermutter hat versucht jede Einschränkung, die ihr das Alter auferlegte, mit Mut und Humor zu tragen. Sie las auch noch weiter ihre geliebten Bücher, als sie mit ihren kranken Augen die Zeilen nur noch in schwankenden Linien wahrnehmen konnte. Mein Vater war mit 82 noch sehr fit, spielte Tennis, machte tagelange Radtouren, die er selber für Freunde organisierte und marschierte in einem Tempo Berge hoch, bei dem ich schwer mithalten konnte. Er hatte ein ausgezeichnetes Gedächtnis, reiste allein durch Südamerika und war für jeden Spaß zu haben. Gern erinnere ich, wie wir einmal in einer Gärtnerei eingeschlossen waren und er mit mir über einen hohen Zaun kraxelte. Zur Sylvesterfeier bei Freunden fuhr er 15 Kilometer mit dem Rad und weit nach Mitternacht dieselbe Strecke allein zurück. Und mit 84 Jahren ist er immer noch sehr unternehmungslustig! Ich bin stolz auf ihn.

Von Alexandra David-Neel, einer mutigen Reisenden, Entdeckerin und Buchautorin wird berichtet, dass sie noch mit 101 Jahren ihren Reisepass erneuern ließ. Das nenne ich Optimismus und Unternehmungsgeist! Eine weit über 80jährige alte Familienfreundin war schwer herzkrank, hatte aber ein unerschütterliches Gottvertrauen. Sie reiste zu Freunden in ganz Europa, furchtlos und interessiert, ihre offensichtliche Schweratmigkeit ignorierend. Ein alter, ebenfalls über 80 Jahre alter Herr gefiel mir durch seine würdevolle Art. Er sagte einmal in einer Diskussion: „Alles ist gut – mein Alter, meine Ehe, meine Familie – es gibt keine Probleme.“ Wie ich von seinen Kindern erfuhr, war er immer ein zufriedener Mensch gewesen.

Sie alle sind Vorbilder für mich – dafür, wie man in Würde altern kann, wie man sich dem Leben anpasst, den Wandel akzeptiert und das, was sich nicht ändern lässt. Bestimmt kennen Sie auch solche Menschen!

in würde altern - aber möglichst mit viel freude

Trotzdem und außerdem will ich so viel Spaß und Freude haben wie möglich! Dinge (weiterhin) tun, auf die ich Lust habe, egal was andere sagen und ob das nun als altersgemäß angesehen wird oder nicht. Ich hab mir nun mal die Lebensfreude auf die Fahnen geschrieben und versuche Menschen, die in Therapie zu mir kommen oder in Seminare, ebenfalls dabei zu unterstützen, so viel Freude wie möglich an sich und ihrem Leben zu entwickeln.

Also: Auf den Wandel! Und, für den das schon ein Thema ist: Auf ein würdevolles Altern! Aber/und mit so viel Schalk und Freude wie möglich!

Herzlichst

Ihre/Eure

Gabriele Berding