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Dieser Blog beschäftigt sich mit Beobachtungen und Gedanken zu menschlichem Verhalten - sei es, wie wir mit eigenen oder anderen Fehlern umgehen, wie wir uns in Gesellschaft verhalten oder was für eine Partnerschaft wichtig sein kann. Gern gebe ich Tipps, wie man sich und anderen das Leben leichter machen kann.

„Alles ist jederzeit prima!“ – der Berufsoptimist

Kennen Sie auch solche Menschen, denen ein permanentes Lächeln ins Gesicht geklebt ist? Die auf Nachfragen nach ihrem Befinden immer antworten: „Alles ist prima!“?  Nun ist es ja fraglos schöner, wenn jemand freundlich und fröhlich aussieht, als wenn er oft oder immer schlechtgelaunt daherkommt. Und ebenso muss man sagen, dass viele auf die Frage „Wie geht es dir?“ eigentlich nichts Wesentliches oder auf jeden Fall nichts Negatives hören wollen. Deshalb heißt es auch meist nur „Es geht mir gut!“  Bei Fremden oder nur entfernt Bekannten lässt sich das ja auch nachvollziehen – manchmal verhalten sich aber auch gute Bekannte und Freunde so. Natürlich muss man sich durch diese häufig ritualisierte Frage auch nicht zu Erklärungen verpflichtet fühlen, die man eben nicht jedem geben möchte.

Woher kommt also dieses durch und durch „Positive“? Nun, es gibt ja Menschen, die einfach eine Frohnatur sind oder aber die in langer Arbeit der Persönlichkeitsentwicklung zu einer positiven Lebenseinstellung gefunden haben. Einige verstehen auch das „positive Denken“ so, dass sie dem Traurigen, Belastenden keinen Raum geben sollen, also auch nichts Negatives denken oder gar aussprechen. Nicht gut aber kann es sein, wenn man dann überhaupt nichts Trauriges oder Negatives anderen mehr mitteilen kann. Noch schlimmer ist es, wenn man es nicht mal mehr selber spüren kann. Dann gilt der Spruch: „Wer keine Probleme hat, hat Probleme!“

Ich möchte im Sinne einer „Seelenhygiene“ dafür plädieren, dass man 1. seine Gefühle zulässt, 2. sie sich selber eingesteht und 3. ihnen Ausdruck verleiht – in welcher Form man das selber gut und angemessen findet, kann man dann ja erforschen und ausprobieren.

Es ist sicher erstrebenswert, wenn man immer mehr eine positive und dankbare Einstellung zum Leben gewinnt, auch kleine Dinge wertschätzen kann und sich nicht auf Negatives konzentriert. Nur, wie gesagt, es darf nicht dazu führen, dass man Negatives dann ganz ausschaltet und sich auch negative Gefühle ganz verbietet.

Hiermit verknüpft ist auch die Frage der Authentizität – ich zeige mich so, wie ich bin. Nicht so, wie ich meiner Meinung nach sein sollte und nicht so, wie andere mich haben wollen. Es versteht sich von selbst, dass das kein Freibrief für unfreundliches und unfaires Verhalten anderen gegenüber ist.  Aber: Ich zeige mich so, wie ich bin. Ich muss nicht immer der Sonnyboy sein. Bei mir muss nicht immer alles super sein. Ich brauche den anderen nichts vorzuspielen. Ich muss nicht zu jemanden sagen, dass „alles in Ordnung, alles super“ ist, wenn ich gleichzeitig auf ihn sauer bin und nicht mal ein einfaches, freundliches Gespräch mit ihm führen kann.

Und ich sollte mir überlegen, ob positive Floskeln, hinter denen kein entsprechendes Verhalten steht, nicht eher das Gegenteil bewirken. So erzählte mir eine Klientin von einer Auseinandersetzung mit einem Computerfachmann, die sie sehr belastet hat. Unangenehm fiel ihr auf, dass er jede Geschäftskorrespondenz „mit sonnigen Grüßen“ abschloss … auch wenn er eben gerade massive Auseinandersetzungen mit ihr, seiner Kundin hatte. 

Also: Mut und Freude sich so zu zeigen, wie Sie sind!

wünscht Ihnen

 

Ihre/Eure

Gabriele Berding