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Dieser Blog beschäftigt sich mit Beobachtungen und Gedanken zu menschlichem Verhalten - sei es, wie wir mit eigenen oder anderen Fehlern umgehen, wie wir uns in Gesellschaft verhalten oder was für eine Partnerschaft wichtig sein kann. Gern gebe ich Tipps, wie man sich und anderen das Leben leichter machen kann.

Grenzen setzen - nicht immer einfach!

Nach langen Regenfällen ging ich mit einer Freundin spazieren. Sie wollte unbedingt, um den Weg abzukürzen, durch eine Wiese mit hüfthohem klatschnassem Gras gehen. Erst hatte ich abgelehnt, denn mir war nicht nach triefenden Hosen und Schuhen, außerdem weiß ich, dass blühende Gräser meinen Heuschnupfen höchst eindrucksvoll verstärken.  Also, meine Freundin zog eine Flunsch und machte putzige bittende Bewegungen mit den Händen.  Was soll´s, dachte ich, nasse Gräser können bestimmt nicht so viel Unheil anrichten, außerdem reizte mich etwas der Abenteueraspekt.

Nun, die Hosen und Schuhe wurden nasser und nasser, meine Augen begannen wie verrückt zu jucken und verstopfter kann eine Nase gar nicht mehr werden.

Fazit: Man kann nicht alles vorausberechnen und manchmal möchte man auch ein bisschen unvernünftig sein. Aber es zeigte mir auch, wie wichtig immer wieder die Fähigkeit ist, NEIN sagen zu können, wichtige Grenzen zu setzen. Ich habe einem gewissen Druck nachgegeben, obwohl ich wusste, dass es mir wahrscheinlich nicht bekommt.

Manchmal können die Konsequenzen noch viel dramatischer sein. Ein klassisches Beispiel, dass fast, aber leider noch nicht ganz der Vergangenheit angehört: Eine meiner Seminarteilnehmerinnen war mit einem Mann ins Bett gegangen, den sie eigentlich nicht so wirklich leiden konnte. Aber irgendwie fühlte sie sich unter Druck gesetzt und dass auch die Verhütung nicht sichergestellt war, beeindruckte ihn nicht allzu sehr und war auch leider für sie kein Grund Nein zu sagen. Tja, sie wurde schwanger und nein, Abtreibung kam nicht in Frage und ja, sie hat ihn sogar geheiratet. Glücklich ist sie mit ihm nicht geworden.

In einer anschließenden Einzeltherapie arbeiten wir immer wieder zum Thema Grenzen setzen. Den großen Durchbruch schafft sie mit der sogenannten Seil-Übung. Am Ende einer mehrstündigen Arbeit legt sie ein großes Seil um sich herum und sagt: „Dies ist mein Raum und den darf niemand betreten, außer ich habe ihn dazu eingeladen!“ Es kommen erlösende Tränen und sie meint: „Wenn ich diese Übung schon als Teenager gekannt hätte, mir wäre viel erspart geblieben!“

Sie ist fest entschlossen, immer mehr herauszufinden, was sie wirklich will und das auch klar auszudrücken. Ich bin optimistisch, dass sie das immer besser schaffen wird und dass das ein wichtiger Schritt zu einem selbstbestimmteren und zufriedeneren Leben ist.

Falls Sie sich mit dem Neinsagen auch schwertun sollten, wünsche ich Ihnen ebenfalls viel Erfolg dabei, Ihre Grenzen herauszufinden und zu verteidigen. Das tut Ihnen gut und letztendlich auch Ihrer Umgebung!

Herzlichst

Ihre/Eure

Gabriele Berding