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Dieser Blog beschäftigt sich mit Beobachtungen und Gedanken zu menschlichem Verhalten - sei es, wie wir mit eigenen oder anderen Fehlern umgehen, wie wir uns in Gesellschaft verhalten oder was für eine Partnerschaft wichtig sein kann. Gern gebe ich Tipps, wie man sich und anderen das Leben leichter machen kann.

Missverständnisse, Kränkungen

Elefanten sagt man nach, Kränkungen niemals zu vergessen. Leider geht das auch vielen Menschen so. Dabei kann man einige Missverständnisse durch REDEN aus der Welt schaffen und dann kommt es auch gar nicht zu nachhaltigen Kränkungen.

Zwei Beispiele: Ich bat eine Freundin kurz um Hilfe, und da sie in einem Gespräch war, versuchte ich nur möglichst kurz zu stören und schenkte mir diesmal das "Bitte". Sofort sagte eine andere Freundin, die in der Nähe stand: "Wo bleibt das Zauberwort? Und wenn du dir das nicht merken kannst, solltest du nächstes Mal lieber nicht um Hilfe bitten!" Ich war verblüfft - und gekränkt, obwohl sie es nicht unfreundlich gesagt hatte. Normalerweise bin ich nicht unhöflich und sage bitte und danke. Muss meine Freundin sich gleich darauf stürzen, wenn sie mich dabei erwischt? Und warum haben so viele Menschen einen so unüberwindlichen Erziehungsimpuls? (Und ich vielleicht auch??) Vom Verstand her müssten sie sich auch sagen, dass ich mit über Fünfzig sicher nicht mehr leicht zu erziehen bin ... Nachdem ich mich einige Zeit darüber geärgert hatte, sprach ich meine "Erzieherin" darauf an. Sie lachte, meinte, dass sie das nicht ernst gemeint hätte, sie einfach gern herumfrotzele und als Älteste von vielen Geschwistern außerdem tatsächlich oft automatisch etwas Korrigierendes sage. So schnell ließ sich also dieses Missverständnis aufklären.

Was aber hätte ich gemacht, wenn sie auf ihrer Kritik bestanden hätte? In meiner psychotherapeutischen Praxis biete ich hierzu gern eine "Kränkungsübung" an. Man lernt, bei seinen Gefühlen und Bedürfnissen zu bleiben, sie sich nicht ausreden zu lassen, und gleichzeitig weder in die Depression noch in die Aggression zu gehen. Eine Übung, die man ganz sicher nicht auf Anhieb beherrscht ... und die sich immer wieder anwenden lässt.

Bei einer anderen Episode gab es ein reines Missverständnis. Bei einem Besuch wäre jemand zu gern zum Essen eingeladen worden, traute sich aber nicht zu fragen, ob er bleiben dürfe. Der Gastgeber hätte ihn wiederum gern beim Essen dabeigehabt, hatte aber den Eindruck, dass sein Gast es eilig hatte und wollte sich keine Abfuhr holen. Weil also beide Angst vor einem "Nein" hatten bzw. auch ihrem Gegenüber die Peinlichkeit, Nein sagen zu müssen, ersparen wollten, haben sie beide nicht bekommen, was sie sich wünschten. Das ließ sich erst im Nachhinein klären ... 

Fazit: Manche Dinge lassen sich durch Darüber-Reden klären und wer den Mut dazu aufbringt, kann sich manchmal Missverständnisse und Kränkungen sparen.

Versuchen wir es einfach mal!